Quebrada de Cafayate
Ich bin froh um die Klimaanlage des Restaurants, in dem ich sitze und diese Zeilen hier schreibe... Vor mir steht ein Glas voller Eis, das - trotz aire condicional - schneller schmilzt, als ich zuschauen kann... Mein Blick geht hinaus, auf die Plaza 25 de Mayo. Abgesehen von vereinzelten Fussgaengern, Hunden, die dem Schatten entlang doesen und einigen wenigen hitzeresistenten Argentinos, sind die Strassen leer. Das Thermometer zeigt 41.8 Grad (!!!) - es ist hora de la Siesta, hier, in La Rioja...
Helado - das einzige, das hilft, um etwas abzukuehlen... (ausser duchas frias...:))
Ja, es ist heiss hier... Gestern Abend um 22.30 Uhr noch schwitzten wir bei 35.8 Grad vor uns hin - das Leben hier erwacht kaum vor 21 Uhr, die Strassen sind ruhig - und die Sonne brennt. Wir sind auf nur 500 Metern ueber Meer - um einiges hoeher sind wir in den letzten Wochen bereits gestiegen - aber so wie hier hat die Sonne noch nie gebrannt. Nicht, dass wir uns beklagten - nein, laengst haben wir uns an den Rhythmus gewoehnt. Siesta und lange Abende... Langsamkeit, literweise Wasser und Unmengen von Sonnencreme gehoeren zu unserer Tagesordnung dazu... Und es gibt zahlreiche Hitze-Witze, die uns grinsend durch den Tag begleiten...
Impressionen von unterwegs: Cafayate - Tucuman - La Rioja
La Rioja zaehlt rund 180'000 Einwohner und liegt am Fuss der Sierra de Velasco, in etwa auf halbem Weg zwischen Salta und Mendoza. Diese Strecke, die ich vor 5 Jahren schlafend und bei Nacht im Bus zurueckgelegt habe, ist nun unsere Reiseroute. Und La Rioja damit Zwischenstation auf unserem Weg vom andinen Nordwesten Argentiniens in die Region Cuyo, die Region um Mendoza und die zentralen Anden. Dort, wo sie am hoechsten sind, die Berge Argentiniens...
10 Tage sind vergangen, seit wir Buenos Aires verlassen haben. Verlassen, in Richtung Norden, nach Salta. Salta, la linda... und dass die Ankunft dort emotional war, habe ich bereits erwaehnt... So viele schoene Erinnerungen verbinden mich mit dieser kolonialen Stadt im Nordwesten Argentiniens - und viele schoene Erinnerungen mehr sollten es werden, in diesen Tagen!
...Salta...
Salta, mit rund einer halben Million Einwohnern, liegt auf knapp 1200 Metern ueber Meer und ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Stadt hat eine reiche Vergangenheit - 1582 gegruendet, strahlt sie noch heute den Glanz der alten, kolonialen Tage und ist beruehmt fuer ihre reiche Folklore-Tradition. Wie schon vor 5 Jahren fuehlt ich mich vom ersten Moment an wohl und daheim - eine Gefuehl, das auch Cali von Anfang an mit mir teilte.
Quebrada de Humahuaca
Und Salta ist ebenso ideal fuer gemuetliche Tage, an denen man sich treiben laesst, wie auch fuer Ausfluege in die beeindruckende Umgebung...
Lange schon freute ich mich auf die Exkursion in die Quebrada de Humahuaca. Diese Exkursion in Richtung Norden und in Richtung bolivianischer Grenze, die ich damals, vor 5 Jahren, nicht gemacht habe... Und tatsaechlich: Die Berge der Quebrada sind wirklich so wunderschoen und farbenfroh wie alle sie beschreiben. Die Pueblos unterwegs sind authentisch, das Leben dort einfach.
El Cerro de los siete Colores
Der Mittagsrast auf 3000m in Humahuaca war im wahrsten Sinne des Wortes atem-beraubend - aber zum Glueck hat uns unser Guia in die Kunst des Coca-Blatt-in-den-Mund-schiebens (weil kauen tut man das Cocablatt ja nicht, kauen tun nur die Kuehe...) eingefuehrt und so beugten wir dem sorrocho - der Hoehenkrankheit - mit aufgeblaehten Backen vor...:))
Llama al vino - mmmh:))
Las calles de Humahuaca
Mein Highlight der Exkursion war das Cerro de los 7 Colores, der Huegel der 7 Farben.
Purmamarca
Vor 5 Jahren fand ich ihn in Nebel und Wolken gehuellt und versprach mir, die 7 Colores eines Tages tatsaechlich noch zu sehen... Ein Grund fuer die Rueckkehr nach Purmamarca - und dieses Mal hatte ich Glueck:)) Auch Cali hats an diesem Tag wunderbar gehabt und die Salinas Grandes, den Salzsee auf der Puna oberhalb Purmamarca, genossen... Ebenfalls Coca-Blaetter-im-Mund-drehend und mit breitem Grinsen und roten Baecklein zurueckkehrend...
...y por fin: el cerro de los 7 colores:))
Auch mit der Fahrt in den Gondeli des teleferico auf Saltas Hausberg, den Cerro San Bernardo, hatten wir dieses Mal Glueck. Vor 5 Jahren war die Gondelbahn in Revision - aber Salta hat das geschafft, was andernorts eine Unmoeglichkeit scheint - und hat seinen Hausberg wieder be-schwebbar gemacht. Saunaaehnlich heiss wars zwar, in diesen kleinen Kabinen - aber immerhin sind sie qualitaetsgeprueft. Garaventa-Gondeli, halt...:))
Zum Glueck konnten wir uns in Salta nach solch schweisstreibenden Ausfluegen jeweils in der Pileta (Swimmingpool) unseres Bed&Breakfast abkuehlen... Unser Daheim in Salta war unsere gruene Oase... Tomer, der jefe, hat hier ein kleines Paradies geschaffen - etwas ausserhalb der Stadt, am Fusse des Cerro San Bernardo, mit Blick ueber Salta und, eben, gruen. Viel gruen... Que lugar hermoso!
La vista desde el Cerro San Bernardo
Salta ist unter anderem beruehmt fuer seine Peñas. An der Ausgangs-Meile Saltas reihen sich Restaurants an Restaurants (mit Vorliebe natuerlich Parrillas, wos viiiel Fleisch gibt - aber auch Cali fand feine vegetarische Lekereien:)). Restaurants, in denen nicht nur gegessen, sondern auch gefeiert, gesungen und getanzt wird. Folkloregruppen sind - wie bei uns an der Fasnacht - unterwegs von Lokal zu Lokal... Einmalige Stimmung - und wir beiden unter lauter argetinischen Touristen...:))) Und als die Bedienung uns zu den bestellten 2 Glaesern Malbec gleich die ganze Flasche auf den Tisch gestellt hat, nun, da konnten wir sie ja nicht halbvoll wieder zurueckgeben...:)) Es wurde ein lustiger Abend...
...mmmmh - Malbec...:)))
Argentinien ohne Gauchos geht nicht. Und so verbrachten wir, bevor es weiterging, suedwarts, einen Tag en el Campo. Auf dem Land - mit, eben, Gauchos, Pferden - und einem riiiesengrossen Asado. Zwar schmerzte nach diesem Ausflug der ein oder andere Muskel - an erstaunlichen und unerwarteten Orten... - aber Wert war es dies allemal! Diese Freiheit auf dem Ruecken der (gut-dressierten und aeusserst braven) Pferde, inmitten dieser wunderschoenen Landschaft, diese Weite, die Ruhe und die verschneiten 5000er im Hintergrund... Espectacular!
Cali wird vorbereitet...
La Gaucha...
Premiere: Selina im Galopp :))
...und erleichtert danach...
...des Gauchos Asado-Teller vorher...
...und nachher...:))
Die Zeit verging einmal mehr wie im Fluge in Salta, la linda - und schon fanden wir uns im Bus in Richtung Cafayate wieder. Voller Erlebnisse, mit bereits jetzt unzaehligen Erinnerungen. Abschiedsschmerz und Neugierde auf die naechste Station unserer Reise hielten sich die Waage - und die Vorfreude auf Cafayate sollte nicht enttaeuscht werden...
Cafayate
Denn Cafayate war - eine Offenbarung:)) Von Anfang an... Schon die Anreise durch die Quebrada de las Conchas (oder Quebrada de Cafayate) war atemberaubend. Eindruecklich. Wunderschoen!! So schoen, dass wir am naechsten Tag zurueckfuhren. Uns inmitten dieser farbigen Felsen begaben, die von Wind und Wasser geschaffenen Formen bewundert haben und aus dem Staunen fast nicht mehr herausgekommen sind...
Neben der wunderschoenen Lage der Stadt - am Fusse der Berge, mit Blick ueber das Valle Calchaquie - ist Cafayate auf 1600m das Zentrum des beruehmten Torrontes, dieses unglaublich leckeren Weissweins, den es fuer fast kein Geld ueberall in grossen Glaesern zu trinken gibt. Ausserdem gibts in Cafayate die besten Empanadas (direkt vom empanadierenden Jefe zubereitet) und - tatsaechlich - Weinglace! Helado de Cabernet und Helado de Torrontes. Wir wurden natuerlich sofort Stammkundinnen und probierten uns froehlich quer durch das Angebot:))
...Casa de las Empanadas... que ricas!!!!
Wo es so viel feines Essen gibt, muss etwas Bewegung her - und so verbrachten wir einen - unerwartet sportlichen - Tag beim Rio Colorado, nahe Cafayate. Eigentlich wollten wir nur das Tal des Rio Colorado erkunden. Auf eigene Faust. Etwas baden, etwas wandern. Als dann die Schlucht aber immer enger, die Felsen hoeher und der Weg schwieriger zu finden war, schlossen wir uns spontan einer Gruppe Porteños mit Guia an. Welch wunderbare Idee:)) So kraxelten und kletterten (jahaaa!) wir nun also weiter, wateten durch Fluesse, kamen zu den 4 versteckten Cataratas, ueberquerten Berge (auch nicht uebertrieben!!) und assen frische Feigen, direkt ab dem Baum. (Ehrlich!!!). Nach 5 Stunden unterwegs kamen wir erschoepft - aber seeehr gluecklich wieder zu unserem Ausgangspunkt zurueck. Noch lange strahlten wir beim Gedanken zurueck an diesen wunderbaren Nachmittag... Und das Stueck Fleisch am Abend haben wir uns damit redlich verdient (oke, zugegeben - Fleisch gegessen habe vor allem ich...:))).
Cafayate - ein Ort, an dem es sich Leben laesst... Ruhig, entspannt und gemuetlich. Ein Ort, an dem viele Argentinos ihre Ferien verbringen. Eine Velostadt - ganz besonders beliebt scheinen die dreier-Tandem zu sein, die sich ueber die teiweise noch immer naturbelassenen Strassen zwischen alten, verrosteten Autos und im Schatten liegenden Hunden hindurchschlaengeln. Es war uns sehr wohl in Cafayate!
El perro feliz de Cafayate...:))
Und nun eben La Rioja. Es ist heiss hier. Noch immer gegen 40 Grad. Morgen suchen wir wieder etwas kuehlere Regionen (hoffentlich...) und ziehen weiter, nach Chilecito. In die Berge hinter La Rioja. Einmal mehr gespannt, auf das, was uns erwarten wird - und voller Vorfreude auf das Bevorstehende... Wir geniessen das Umherziehen, Plaene schmieden und sie wieder verwerfen, um von Neuem Ideen zu spinnen und diese dann - etwas abgeaendert - umzusetzen... Schon jetzt haben wir das Gefuehl, dass uns die Zeit nicht reicht fuer alles, was wir noch sehen moechten...
...que sera, que sera, que sera, que sera de mi vida que sera...
Aber - noch ist die Reise nicht vorbei. Zum Glueck...:))
PS: Carnaval wird uebrigens in Argentinien auch anfangs Februar gefeiert. Ueberall in Argentinien - und ganz speziell im Norden... Wie man nach einem mehr oder weniger freiwilligen Carnaval-Abstecher aussieht, soll hier nicht veroeffentlicht werden...:)) Aber hier ein kleiner Eindruck aus der Strasse Cafayates: