
es wird herbst in argentinien. der lange und heisse sommer neigt sich langsam aber sicher seinem ende zu - und mit ihm meine reise, meine zeit hier in diesem land. ein letztes mal sitze ich auf der terrasse von buenos aires design, geniesse die waermenden sonnenstrahlen und den angenehmen herbstwind, der die farbigwerdenden blaetter der baeume zum tanzen und rascheln bringt. geniesse diesen letzten tag hier in argentinien, diesen letzten tag meiner 5 monate hier. eine zeit, die nur so an mir vorbeigerauscht ist - reich an erlebnissen, eindruecken und begegnungen, erfahrungen und momenten, die ich fuer immer in meinem herzen mitnehmen werde.
la finca del campo
ein taxifahrer hat mich einmal gefragt, ob man einen kurs machen muesse, um als "mochilero" unterwegs zu sein. nein, einen kurs braucht es nicht. den rucksack packen und losziehen - das koennen alle. was es braucht ist eine portion interesse, abenteuerlust und mut. flexibilitaet, offenheit, toleranz und neugierde - dann wird die zeit unterwegs zur besten des lebens. haelt ueberraschungen parat. unerwartetes und erhofftes, alltaegliches und fremdes. konfrontiert einen mit sich selbst, mit all seinen guten und schlechten seiten. laesst einen staunen und ob sich selbst ueberraschen. bestaetigt laengst gewusstes, laesst einen reifen und einen schritt weitergehen - in vielen bereichen.
al campo cerca de córdoba
es wird herbst in argentinien. buenos aires zeigt sich nochmals von seiner schoensten seite und macht das abschiednehmen dadurch nicht einfacher... in den letzten zwei wochen hab ich das argentinische leben nochmals so richtig genossen - und dabei erneut seiten des landes kennengelernt, die mir bisher verborgen geblieben sind und die so nicht in den touristenfuehrern zu finden sind...
die ostertage verbrachte ich auf dem campo nahe córdoba. vier tage fernab von stadt und verkehr, hektik und stress - in der ruhe der natur. das wetter spielte mit und so genossen wir wunderschoene spaetsommertage am fluss, sonnten uns an der pileta, spielten, assen asado, ritten aus und erholten uns. es war schoen, nochmals einzutauchen in das leben in córdoba, meine leute dort nochmals zu treffen - und mich schliesslich erneut zu verabschieden.
gut erholt machte ich mich vor einer woche auf den heimweg. ein heimweg, der nervenaufreibend werden sollte...
el campo de la familia de anita
seit nunmehr 19 tagen streiken die bauern argentiniens. die erhoehung der exportzoelle auf agrarprodukten mitte maerz liess die campesinos scharenweise auf die strasse gehen - proteste gegen die regierung gehoeren seither zum taeglichen leben. die hauptverbindungsachsen des landes werden seither - anfangs vereinzelt und nur zu gewissen zeiten, mittlerweilen grossflaechig und zwischenzeitlich total - gesperrt, verbarrikadiert mit traktoren und lastwagen.
ruta desde córdoba hasta buenos aires
an jenem dienstag meiner rueckkehr kam es zur totalsperre aller strassen - weder fuer autos noch fuer reisebusse gab es ein durchkommen - das land stand still und wir mit ihm. gespannt wurde die rede der praesidentin erwartet - eine rede, die entscheidend sein sollte fuer das weiterfuehren oder aufheben des streiks.
corte de la ruta
waehrend wir uns das warten mit plaudern und lesen zu verkuerzen versuchten, begannen in buenos aires die caserolazos. seit 2001 kam es nicht mehr vor, dass die leute mit kochtoepfen und kochloeffeln auf die strasse gehen und mit dem laerm ihren unmut mit der regierung und, dieses mal, die solidaritaet mit dem campo kundtaten. die rede der praesidentin erhitzte die gemueter nur noch mehr - die strassensperren blieben bestehen. auf unbestimmte zeit. ich fuerchtete schon, meine letzten tage in argentinien im bus verbringen zu muessen - doch dann, nach 6.5 stunden, wurden zumindest busse und privatautos durchgelassen.
habla la presidenta
lastwagen sitzen noch immer fest - millionen von pesos gingen zwischenzeitlich verloren, lebensmittel verdarben auf der strasse waehrend die regale in den supermaerkten hier in der stadt leer bleiben. erstmals seit langem muessen die argentinier und argentinierinnen auf ihr taegliches fleisch verzichten - es gibt schlichteweg keines mehr. und auch mein abschiedsessen bestand schlussendlich nicht aus dem erhofften bife de lomo...
die situation ist kompliziert und verfahren - seit gestern jedoch zeichnet sich eine entspannung ab. die regierung zeigt sich milder als vor einer woche, die hoffnung auf eine baldige loesung zeichnet sich wieder ab.
no hay carne...
mit einer verspaetung von 8 stunden kam ich dann schlussendlich letzten mittwoch doch noch in buenos aires an. und hier hab ich die letzte woche verbracht - das leben hier nochmals so richtig aufgesaugt und genossen. mich treiben lassen, leute getroffen, ausfluege gemacht, museen besucht, fuer river plate gefaent und einen tag lang eine seite der stadt kennengelernt, die auch dazu gehoert. die man hier, so europaeisch wie sich buenos aires praesentiert, nicht erwartet, die einem aber vor augen fuehrt, dass argentinien halt doch suedamerika ist...

arenales y ecuador - mi esquina en buenos aires
torkel, der norweger, der am selben ort wohnt wie ich, arbeitet fuer mediapila, eine fundación, die mit muettern in armenvierteln buenos aires' arbeitet (
www.mediapilapais.com). sie stellt den familien naehmaschinen zur verfuegung und lernt ihnen, t-shirt zu produzieren, die anschliessend verkauft werden. die muetter haben somit die moeglichkeit, zu arbeiten, ohne ihre kinder alleine lassen zu muessen. durch das feste einkommen mit der produktion der t-shirts koennen die grundbeduerfnisse der familien gedeckt und den kindern der schulbesuch ermoeglicht werden.
am letzten samstag machten wir uns mit einer gruppe freiwilligen auf in ein solches viertel, um neue muetter zu finden, die an der arbeit interessiert sind. wir befragten familien in aermsten verhaeltnissen, damit in einem zweiten schritt eine selektion der neuen arbeitskraefte gemacht werden kann. mediapila will wachsen, will mehr muetter einbeziehen und dadurch mehr familien ein besseres leben ermoeglichen.
die armut in diesen vierteln - ein krasser gegensatz zu den gepflegten strassen in recoleta. dieser gegensatz stellt eine weitere realitaet argentiniens dar - eine traurige realitaet - und hat mich beruehrt. eine seite, die auch zu argentinien gehoert. eine seite, die man angesichts des lebens hier leicht vergessen koennte...

zoologico, escobar
es wird herbst in argentinien. gestern abend hab ich mich bei einem znacht von einigen freunden hier verabschiedet. und morgen, morgen trete ich meine heimreise an. mi amigo javi faehrt mich zum flughafen - noch realisiere ich nicht, dass ich bald schon wieder zuhause sein werde... das traenende und das lachende auge halten sich die waage...
cena de despedida
es wird herbst - zeit, heimzukehren. nein, es braucht keinen kurs, um als mochilera unterwegs zu sein. vielleicht aber einen, um wieder anzukommen, zuhause...