Donnerstag, 17. Januar 2008

...historias de la ruta 40...

es ist windstill draussen. fast vermisse ich das sausen und brausen dieses treuen begleiters der letzten 2 wochen. fast fehlt mir das staendige geraeusch, das so typisch ist fuer die gegend hier. fuer den suedlichsten teil argentiniens - patagonien und tierra del fuego.




...gekennzeichnet vom staendigen wind...


die vergangenen 14 tage fuehlen sich nach mehr an - obschon sie vorueberflitzten, wie der wind auch. sie waren intensiv, ausgefuellt und dank des sued-sommers viel laenger als gewohnt. bis spaetabends scheint die sonne - muede wird man nicht und kann somit den tag ausnutzen, bis der naechste anbricht. und das haben wir auch getan, die letzten 14 tage!



...irgendwo, unterwegs, in patagonien...


die abreise von san martín de los andes liegt gefuehlsmaessig schon monate zurueck. und die reise vom norden in den sueden, vom sommer beinahe in den winter, war eines dieser erlebnisse, die man nie mehr vergisst! eines der highlights der gemeinsamen zeit von claudia und mir, ein praegendes und eines, das uns wohl noch jahre spaeter strahlen laesst...



bajo caracoles - zwischenstopp auf der ruta 40


la ruta 40... diese legendaere strasse, welche bariloche mit dem suedlichen patagonien verbindet. diese holprige, staubige, ungeteerte strasse, den anden entlang, suedwaerts. tausende kilometer durch die faszinierende welt patagoniens. tausende kilometer durch farbintensive landschaften, felder, weiten - vorbei an guanakos, vogel-strauss-familien, schafen, rinder und pferden. vorbei an einer gottverlassenen, einsamen weite, wie sie einzigartig ist.




ein guanaco auf der ruta 40


eine weite, die man an einem stueck erleben muss, um sie zu begreifen. in ihrer ganzen dimension. und so entschieden wir uns spontan, nicht - wie zuerst beabsichtigt - einen zwischenstopp einzulegen. wir beschlossen, die ruta 40 in einem stueck zurueck zu legen, direkt von bariloche nach el chaltén. und keine von uns haette sich vorher ertraeumt, dass diese 34 stunden am stueck im holprigen bus alles andere als anstrengend oder langweilig werden wuerdcn. im gegenteil. wir haben sie genossen. sie waren faszinierend und der huehnerhautfaktor war hoch.




mate-runde mit den chauffeuren

besonders eindruecklich waren die strecken, die wir vorne bei den chauffeuren verbracht, mit ihnen mate getrunken und die weite, die vor uns lag, so richtig realisiert haben. unvergesslich... la ruta 40 - patagonien pur!

als wir dann um 3.30 uhr fruehmorgens in el chaltén angekommen sind, waren wir aber trotzdem froh um unser komfortables 2er-zimmer mit privatem bad und legten uns - nach 2 naechten im bus - gerne ins weiche bett!




el chaltén

el chaltén ist wohl eines der juengsten dorflein in argentinien. es wurde 1986 gegruendet, hauptsaechlich deshalb, um den chilenen beim besiedeln dieses abgelegenen gebietes zuvorzukommen. die argentinier hatten eine gute nase, damals - el chaltén boomt. im sommer reisen tausende wander- und kletterfreudige touristen aus aller welt an diesen flecken erde, wo es bisher weder natelempfang noch eine aktuelle tageszeitung gibt.





landschaft in el chaltén

was fuer den tourismus und das gesamte dorf wirtschahtlich gut ist, bringt natuerlich auch seine schattenseiten mit sich: es wird gebaut wie wild, neue haeuser spriessen unkontrolliert aus dem boden und lassen das heute so charmante doerflein in einigen jahren wohl zu einem touri-center mehr wachsen... bereits jetzt werden die ersten naturstrassen geteert und wenn das grossprojekt der regierung abgeschlossen ist, das vorsieht, die gesamte ruta 40 zu teeren und somit fuer die touristen bequemer zugaenglich zu machen, dann wird eine reise nach el chaltén nicht mehr dieselbe sein.


was sich jedoch auch dann nicht aendern wird, ist die attraktion el chalténs - die berge! mit den beiden spektakulaeren gipfeln des fiz roy und des cerro torre finden sich um el chaltén DIE gipfel der argentinischen teils von patagonien. nicht unbedingt durch ihre hoehe, mehr aber durch die formation vermoegen sie zu verzaubern - sofern man sie denn zu gesicht bekommt...




links der cerro torre, rechts die gipfel des fiz roy



patagonien hat uns mit dem fuer diese region so typischen wetter empfangen. wind und regen, sonne und blauer himmel - von allem gab es etwas. wirklich schoen war es jedoch nicht und so mussten wir unsere erste wanderung unverrichteter dinge vor der mitte schon abbrechen und - pflotschnass und durchfroren - den rueckweg antreten. beim 2. versuch unserer gebuchten tour zum glaciar torre, inkl. trekking auf ebendiesem, waren wir erfolgreich. liess uns das schlechte wetter den 1. versuch bereits im dorf, morgens um 7 uhr, wieder abbrechen und schnurstracks zurueck ins warme bett fluechten, so meinte es das wetter am folgenden tag besser. und - tatsaechlich - nach etwas startschwierigkeiten zeigte sich uns der cerro torre dann auch in seiner ganzen pracht. und das trekking auf dem gletscher war vor dieser kulisse nochmals eindruecklicher als sonst schon...



auf dem glaciar torre



3 stunden spazierten wir auf diesem eisgiganten herum, bestaunten gletscherspalten, hoerten das eis krachen - und hatten zum abschluss gar die moeglichkeit, uns als eiskletterer zu probieren... ja, auch ich wagte die herausforderung - die sich schlussendlich als einer meiner persoenlichen fortschritte herausstellen sollte...


...wer haette das gedacht...?!


nach dieser eindruecklichen 10-stunden-wanderung bei schlussendlich bestem wetter nahmen wirs am folgenden tag gelassen, dass sich el chaltén am morgen unserer abreise mit strahlendstem wetter von uns verabschiedete... so haben wri den fiz roy wenigstens aus der ferne doch noch gesehen!




perito moreno

der patagonische wind blies uns weiter, nach el calafate. el calafate ist beruehmt wegen des nahegelegenen perito moreno, dem gletscher, der als einer der wenigen noch waechst und alle paar jahre durch spektakulaere zusammenbrueche an seiner stirn von sich reden macht. die eiskalten winde und klirrenden temperaturen, die nun auch mir einen eindruck des winters in der schweiz ermoeglichten, waren jedoch beim anblick des gletschers vergessen. und claudia und ich standen staunend vor diesem ueber 600m breiten und 60m hohen giganten. sprachlos. beeindruckt. und jubelnd, sobald sich teile des eises loesten und utner krachendem getoese in den see stuerzten. perito moreno... und auch wenn el calafate sonst sehr touristisch ist - diese momente mit dem eis sind definitiv eine reise wert!




der perito und ich...


eine letzte gemeinsame etappe lag noch vor uns, nach dieser eiskalten gletscherwelt. die busfahrt nach ushuaia, ans ende der welt...

und genauso abenteuerlich wie sich das ziel anhoert, so war auch die reise dahin. argentinische busfahrplaene sind speziell - so fanden wir uns morgens um 3 uhr gaehnend vor dem bus wieder, der uns die strecke suedwaerts bringen sollte, via rio gallegos, nach ushuaia. und die ankunft in ushuaia, der suedlichsten stadt der welt, am beagle-kanal, die will verdient sein. ganze 4 stempel gabs in unsere paesse - die grenzziehung im sueden des kontinents liess uns argentinien fuer kurze zeit verlassen und einige stunden auf chilenischem boden verbringen. dort ueberquerten wir auch die magellan-strasse - und fuehlten uns enorm historisch!




die schafe und ich auf der estrecho de magellanes...


die aus- und einreisebestimmungen der beiden nachbarlaender sind strikt und streng. unsere fruechte haetten wir nicht nach chile einfuehren duerfen... eigentlich... einmal mehr kam uns der gute draht zu den beiden chauffeuren zu gut, welche unsere "frutería" in einem plastiksack irgendwo versteckt in ihrer kabine ueber die grenze schmuggelten... selten hat ein apfel abenteuerlicher geschmeckt...:))


ushuaia in der abendsonne - um 22 uhr


und dann kamen wir an, hier, in ushuaia. am "fin del mundo", wie die stadt vermarktet wird. mein norwegischer gastbruder der ersten 3 wochen buenos aires, den ich hier wieder getroffen habe, meinte, es sei wie bei ihm zuhause, in bergen. die antarktik-kreuzfahrtschiffe lassen die nahen eislandschaften erahnen, die superfeinen mariscos und fischgerichte das meer spueren.

hier haben wir unsere letzten gemeinsamen tage genossen, claudia und ich. und unsere reise gebuehrend abgeschlossen - bei einem tag im nationalpark "tierra del fuego". natuerlich zog es uns auf den hoechsten der gipfel - 900m hoehenunterschied liessen uns schwitzen - aber es hat sich gelohnt! es bot sich uns nach diesem harten, steilen aufstieg durch subpolare landschaften ein atemberaubender ausblick! ein hoehepunkt zum abschluss. ein abschluss, wie er es fuer diese gemeinsamen wochen nicht passender haette sein koennen.



al cumbre del cerro guanaco - der beagle-kanal im hintergrund


und jetzt ist claudia abgereist und ich bin noch immer am ende der welt. morgen frueh gehts dann auch fuer mich wieder nordwaerts, waermeren temperaturen entgegen... ich freue mich auf diese naechste etappe - und werde sie vermissen, die brausenden und sausenden patagonischen winde...




...wintergefuehle...

1 Kommentare:

Simone hat gesagt…

Liebe Selina,

Das sind wunderschöne Bilder und Beschreibungen deiner Reise!! Lassen grad das Fernweh aufkommen...zum Glück geniesse ich auch gerade ein paar sonnige Tag in der verschneiten Lenzerheide, der gefrorene Heidsee erinnert gaaaaaaaaaanz entfernt an Patagonien;-)

Weiterhin eine atemberaubend schöne Reise und liebe Grüsse aus den Schweizer Alpen,
Simone H.